Hallo ihr interessierten Leser,
da bin ich wieder. Seit meinem letzten Blogeintrag ist viel passiert...
Mir geht es sehr gut, obwohl es in La Plata nicht mehr zu regnen aufzuhoeren scheint, aber irgendwie ist das auf seine Art schoen. Ich bleibe einfach weiterhin in der Hoffnung, dass es bald warm wird und die Sonne sich zeigt.
In Argentinien sind gerade grosse Wahlcampagnen angesagt. Im Oktober ist es naemlich soweit, dass Nestor Kirchner, der jetzige Praesident sein Amt niederlegen wird und jmd anderes das Land weiterregieren wird. So wie es bisher aussieht, wird das seine Frau die Regierung uebernehmen. Die Mehrheit der Bevoelkerung geht davon aus, dass sie letztendlich auch gewaehlt wird.
Die Camagne sieht so aus, dass ueber den Tag Minilaster durch die Stadt fahren, die Wahlsolgans durch die Lautsprecher herausposaunen und die jeweiligen Kandidaten auf grossen Plakaten auf den Lastern abgebildet sind. Es gibt auch mehrere Politikerbueros. Wofuer die nun da sind, weiss kein Mensch, denn bisher hab ich noch niemanden getroffen, der auch nur das geringste Vertrauen in die Machenschaften der Politiker zeigt.
Das Problem, welches hier besteht, ist, dass in Argeninien Waehlen eine Pflicht darstellt. Das heisst, das wenn man in das Wahlbuero geht, man einen Stempel in den Pass bekommt. Falls man sich 500 km von Wahlort entfernt aufhaelt, kann man den Antrag stellen, auf Grund der Distanz von seiner Bürgerpflicht entbunden zu werden. Allerdings hab ich mittlerweile mit einigen Leuten geredet, die mir sagten, dass sie schon mehrmals nicht waehlen gegangen sind und es hat keine Konsequenzen nach sich gezogen ...
Doch die eigentliche Schwierigkeit besteht in der Korruption. Es wird erzaehlt, dass sich die Politiker die Wahlstimmen erkaufen und das ist relativ einfach, denn die Armut in diesem Land ist immens. Bis in die Innenstadt von Buenos Aires erstrecken sich die Armenviertel. Teilweise erinnern mich die Zustaende an Indien und an die Tatsache, dass ich mich in einem Entwicklungs-/ Schwellenland befinde. Was passiert also? Die Politiker erkaufen sich die Stimmen indem sie diese Viertel mit Essen oder anderen dringend noetigen Guetern versorgen.
Die Argeninier haben also saemtliches Vertrauen in die Politik verloren. Hier in La Plata gilt ein neuer Slogan "La Plata, una ciudad limpia" (La Plata, eine saubere Stadt) und direkt davor befindet sich ein Haufen Muell... In Deutschland kennen wir das doch auch- jede Partei will alles besser machen, bringt aber keinerlei Vorschlaege, wie es besser gemacht werden kann, begnuegt nich mit der Aeusserung von Kritik... Interessenant ist auch, dass Frau Cristina Kirchner nicht im Inland sondern im Ausland betreibt. So war erst letztens auf Reise nach Europa... und verschwendete, nach Ansicht einer Argentinier, die Steuergelder (Wozu jetzt noch überhaupt gar nicht berechtigt ist, denn sie begleidet ja noch gar kein Amt...)
Die Korruption erstreckt sich in alle Himmelsrichtungen. In einer Diskussion hatten wir darueber filosofiert, wie man die Armut senken koennte und dabei erwaehnte ich das Sozialprogramm, welches gerade in Ostdeutschland umgesetzt wird. Naemlich, dass die Kommunen ihr Geld in "ABM"-Massnahmen einsetzen, sodass Langzeitarbeitslose zumindest eine Beschaeftigung haben ( für die Kommune selbst oder sonstige soziale Einrichtungen). Genau dieses System gibt es hier auch, nur geniessen leider hauptsächlich Freunde von Politikern das Privileg in das Programm involviert zu werden, die letztendlich aber keine Notwendigkeit darin sehen, zu arbeiten, sondern sie profitieren lediglich von der finanziellen Unterstuetzung. Wie soll man diesen Teufelskreis unterbrechen????
Ihr koennt euch sicher vorstellen, dass sich diese Problematik in der Bildung fortsetzt. Es gibt einmal ein privates und ein oeffentliches Schulsystem. Abgesehen von den Ausnahmen, sagt man, dass es zu einen immense Unterschiede zwischen privater Sekundarschule und oeffentlicher und zum anderen zwischen privater und öffentlicher Universitätsausbildung gibt. In der privaten Sektundarschule werden u.a. zusaetzliche Faecher wie Englisch und Musik (Instrumente) angeboten, die Lehrer sind mehr oder weniger gut ausgebildet und Unterrichtsausfälle sich eine Seltenh. Die oeffentliche Schule leidet unter einem weiterverbreitet schlechten Ruf. So sagt man, dass der Unterricht schon nicht stattfindet, wenn die Klassenraeume kalt sind oder sonstige Zwischenfaelle auftreten.
Beim Universitaetssystem ist das anders herum. Die oeffentliche Uni ist sehr anspruchsvoll (eigene Erfahrung), die Professoren geben die Vorlesungen aus eigener Motivation heraus, die Entlohnung ist zu gering um davon leben zu können, also besitzen sie viel Praxiserfahrung, die sie in die, primär durch Theorie geprägten, Vorlesungen mit einfliessen lassen. Diese Kombination verschafft den öffentlichen Einrichtungen einen sehr guten Ruf (besonders die Fakultaet fuer Wirtschaft in La Plata). Im privaten Sektor werden sich Abschluesse haeufig erkauft und somit ist ein solcher Abschluss sehr wenig anerkannt.
Voila Argentina. Es gibt hier wirklich sehr viel nach zu holen, dennoch moechte ich erneut betonen, dass ein Land nicht nur durch nicht funktionierende Systeme einzuschaetzen ist, sondern es sind Menschen, die in diesem Land leben, die die Unterschiede ausmachen.
Wenn ich in einen kleinen Laden gehe, dann werde ich eigentlich zu 99 Prozent gefragt, woher ich komme und wenn ich dann erzaehle, dass ich aus Deutschland komme, dann runzeln viele die Stirn und fragen mich, warum ich denn ausgerechnet in diesem Land Wirtschaft studiere. Eigentlich finde ich es sehr schade, dass die Argentinier ihr eigenes Land nicht zu schaetzen wissen. Hoffentlich wird es ihnen eines Tages klar....
So ihr Lieben, ich werd jetzt mal etwas essen gehen. :-)
Naechste Woche Donnerstag uebrigens geht es fuer mich ab in den Sueden!!!! Ich werde fuer 2 Wochen Patagonien erkundschaften. Zusammen mit meinem Freund werden wir uns die Gletscher in El Calafate und El Chalten anschauen und dann werde ich alleine fuer 3 Tage nach Ushuaia, der suedlichsten Stadt Argentiniens, weiterreisen. Ich kann es schon kaum noch erwarten. Fuer mich ist es das erste Mal, dass ich an einen Ort reise, an dem es kalt ist. Zur Zeit herrschen dort Tagestemperaturen von 5 -7 Grad vor. Aber keine Sorge, ich bin dabei mir warme Sachen zu besorgen :-) Wir werden dort viele Wanderungen unternehmen und den Nationalpark bewundern, vielleicht hab ich ja gar nicht soviel Zeit zum Friern. ;-)
Sorry uebrigens, dass ich immer so wenig Bilder hochlade, aber meine Kamera ist leider defekt, aber in den naechsten Tagen duerfte sie aus der Reparatur zurueckkommen und das hoffentlich funktionierend, dann werdet ihr auch mehr visuelle Unterstuetzung in meinem Blog bekommen, versprochen.
Ich wuensch euch alles Gute.
Bis bald
Knutschi
Maria