Lang lang ist es her, dass ich etwas von mir hoeren lassen habe, aber naja, so ist das eben.
Nach wie vor bin ich super gluecklich in diesem Land des buerokratischen Chaoses und des regen Verkehrs und ich bin auch zum 2. mal erkaeltet, aber das macht alles nichts. Argentinien ist einfach ein Traum!!!

(auf dem Foto seht ihr meine neue Mitbewohnerin, Carolina, wir verstehen uns super!!!)
Erzaehlt mir doch meine Professorin fuer franzoesische Literatur (Franzoesin mit suedlichem Akzent!!!), dass sie letztens auf dem Flur rauchte. Ganz eindeutig stand auf einem Schild in unmittelbarer Naehe geschrieben: Rauchen verboten. Es kam also ein Wachposten und erspaehte sie und fragte, was sie da tue. Ganz offentlichlich: rauchen- so wie der Wachposten auch!!!! In Argentinien gibt es fuer alles Regeln, der Unterschied zu Deutschland ist nur, dass sie niemand einhaelt.
Eine weitere Sonderbarkeit die mir jeden Tag begegnet, ist die Angst, die die Argentinier vor sich selbst haben. Mindestens 3 Mal taeglich werde ich gewarnt, vorsichtig zu sein. Nun gut, mir ist schon klar, dass ich auf meine Sachen aufpassen muss- und ich tue es auch bewusster als in Deutschland, aber mir werden hier Geschichten erzaehlt, da bekommt man das Gefuehl man lebe in den Slums von Rio de Janereiro.... Nach einigen Reflexionen bin ich darauf gestossen, dass das aus den absoluten Krisenzeiten Argentiniens herruehert. Insgesamt kennt man hier das Gefuehl von Stabilitaet nicht. Das hat Vor- und Nachteile. So hat man auf der einen Seite den Eindruck, dass selbst eine 80-Jaehrige noch faehig ist, sich an voellig neue Gegebenheiten anzupassen, waehrend man bei manchem 30-Jaehrigen in Deutschland nicht sicher ist, ober das Alter von 100 geistig schon ueberschritten hat. (die Argentinier neigen uebrigens auch zu starken Uebertreibungen ;-) ) Die Kehrseite der Medaille dieser Instabilitaet ist Angst. Je nach Bildungsniveau ist das natuerlich staerker ausgepraegt, aber... Mein Lebensmotto: No risk no fun! ;-) (in Ma'sz'en).
Mein kleiner Funfactor ist seit neuestem mein Fahrrad. Es ist so aehnlich wie Achterbahn fahren- vom Gefuehl her- und man freut sich immer wieder aufs Neue, wenn man ankommt, wo man hin will. Das also zum wach werden und zum Fit werden, geh ich seit neuestem laufen. Jaja, wer haette das gedacht? Ich werde sportlich. Schwimmen war ich in den letzten Tagen auch und Gewichte heben, lol, na man sehen, wie lange meine Motivation anhaelt... Nebenher studiere ich auch ;-)
Ganz im Ernst, das Vorurteil, die Latinos waeren faul, ist zumindest bei den Studis ne herbe Beleidigung und jeder Deutsche, der hier her kommt und von Feiern, Relaxen usw. traeumt und nebenher orgentlich studiert, wird hier aus seinen schoensten Traeumen gerissen. Kurzes Bsp.: wir sollten eine Ausarbeitung von 150 Seiten binnen einer Woche erledigen. Da wir aber zwischendrin eine weitere Vorlesung hatte, wurde das Thema dennoch angeschnitten. So musste ein Gruppe von 3 Studis vor die Klasse treten und mit einer Vorbereitungszeit von 15 min. eine kurze Zusammenfassung zum Thema geben - geschockt??? C'est la vie. So kann man sich taeuschen.
Wenn man diese winzigen Details bedenkt, dann kann man leicht schlussfolgern, warum man pro Semester nur 3 Faecher belegt. Desweitern werden diese 2 bis 3 Mal im Semester geprueft...
Genauso wenig kann ich bestaetigen, dass die Maenner hier alle Machos sind. Es gibt einige, aber eben genauso wie in Deutschland. Nur in der Disko sind die Maenner etwas selbstbewusster und fordern einen zum Tanzen auf. Da muss jeder selber wissen, wie er damit umgeht.
¿Qué más? Meine Sprachkenntnisse werden immer besser, dafuer nehmen die fuer franzoesisch scheinbar taeglich ab. Man muss eben Opfer bringen. Eine kleine Reise nach Paris oder Montpellier und dann ist das auch wieder in Ordnung.
Ich besuche uebrigens zum Grossteil Master-Kurse hier. Einmal eben im Bereich Internationale Beziehungen und Marketing. Diese Kurse gefallen mir am meisten, nicht nur auf Grund der Sachgebiete sondern auch im Bezug auf den Umgang zwischen Prof und Studis. So sass ich letztes Wochenende im Kurs "Aussenpolitik Iran", wir tranken Mate und assen leckeres Gebaeck( der Prof natuerlich auch!!) und naja, es war mehr eine Austausch, als das Vermitteln von puren Kenntnissen. Besonders die Kultur des Mate-Trinkens ist dabei zu unterstreichen. Denn wie ihr ja schon in vorherigen Berichten lesen und sehen konntet, wird Mate in einem besondern Behaeltnis (dem Mate) serviert. Die Kraeuter werden mit heissem Wasser aufgegossen und jeder Einzelne trinkt den Inhalt durch den "Halm" aus Metall (Bombilla) aus und reicht es zurueck an eine Person, die sich waehrend des Rituals darum kuemmert den Mate aufzufuellen. Und so geht er die Runde. Es ist echt witzig und zugleich sehr persoenlich.
Bisher habe ich allerdings auch schon einige Argentinier kennengelernt, die eben genau das nicht moegen und keinen Mate trinken. Ich setze mich oft einfach hin und geniesse meine Zeit in Ruhe, Mate trinkend und lesend.
Ach noch kurz zum Abschluss. In meiner letzten Story hab ich von dem Angebot des Bettes und des Schreibtisches von dem Freund eines Freundes erzaehlt. Letztendlich hat in der Tat dieser Freund von mir eine Wohnung fuer mich gefunden. Ich wohne jetzt mit einer Ingenieurin zusammen-super Austausch. Naja und da kein Bett und auch kein Schreibtisch vorhanden war, hat mir Fernanado (der besagte Freund) den Schreibtisch und das Bett (mit Bettdecke, Matraze,Kissen usw.) zur Verfuegung gestellt!!!!!! Voilà, also nicht nur blablabla, sondern purer Ernst. Die Latinos sind einfach der Hammer. jetzt muss ich nur noch heiraten und hier bleiben ;-)
So ihr lieben, fleissigen Leser.
Ich wuensche euch allen alles Gute. Soweit ich das mitbekommen habe, wird das Wetter in Deutschland wieder schlechter, hier wird es endlich besser. Ich schick euch also ein bisschen Sonnenschein, in dem ich an euch denke und indem ihr meine Eintraege lest.
Ganz liebe Gruesse
Maria