Sonntag, 14. Oktober 2007

"relative" Armut

Was ist eigentlich Armut??? Hab ihr euch das eigentlich mal wirklich durch den Kopf gehen lassen? Ich meine ganz abgesehen von den Zahlen. Was bedeutet denn unter der Armutsgrenze leben?
Hier ein Zitat aus der taz:
Was ist Hunger?
Ein Mensch ist nach UN-Definition unterernährt, wenn er weniger zu essen hat, als er täglich braucht, um sein Körpergewicht zu erhalten und zugleich leichte Arbeit zu verrichten. Die erforderliche Nahrungsmenge variiert zwischen den Ländern sowie zwischen den Altersgruppen und Geschlechtern, liegt aber laut FAO durchschnittlich bei etwa 1.900 Kilokalorien am Tag. Dieses minimum energy requirement ist geringer als der von der Weltbank zum Zwecke der Definition von "absoluter Armut" errechnete Durchschnittsbedarf von etwa 2.200 Kilokalorien. Laut Weltbank leben etwa 1,2 Milliarden Menschen in absoluter Armut; laut FAO sind über 800 Millionen unterernährt.

Diese und ähnliche Artikel lesen wir über das Jahr verteilt des öfteren. Doch welche Auswirkungen hat das auf unser Denken. Es scheint, als wäre es nur einer von vielen Artikeln, den wir eventuell gerade überfliegen.

Könnt ihr euch vorstellen, dass vor der Citibank im Zentrum von Buenos Aires, Menschen wohnen? Ich meine damit vor den Glasscheiben, auf den Gehweg.
Es ist in der Tat so. Vor der Citibank sah ich, wie ein Mädchen sich gerade anzog. Sie machte ihre Haar zurecht und suchte sich 2 Oberteile aus einem Regal, das gleichzeitig als "Abgrenzung" zu einer anderen Wohnung diente. Insgesamt ist das Quartir von unterschiedlichen Möbelstücken eingegrenzt, welche sicherlich zur Entrümplung bereitstanden. Der Boden ist mit Kartons ausgelegt, alte Matrazen, dienen, wenn vorhanden, als Betten.
Den Tag verbringen die Kinder oder ganze Familien mit Betteln. Sie gehen unter anderem in Schulen, Universitäten, Restaurants oder auf die Strasse und bitten um Geld und/oder etwas zu essen.
In Deutschand kennen wir diese Armut (noch) nicht. Dort redet man von Bildungsarmut und welche Folgen diese haben wird, können/ wollen wir uns teilweise gar nicht ausmalen.
Können wir uns vorstellen nichts zu essen zu haben? Hatten wir schon mal die Befürchtung nicht zu wissen, wo wir diese Nacht schlafen werden? Wenn wir davon reden, dass wir momentan kein Geld zur Verfügung haben, dann meinen wir, dass wir uns gerade keinen Urlaub leisten können oder eben diesen Monat auf einen Besuch im Restaurant verzichten um es drastisch zu formulieren. Doch wie ist das Gefühl, wenn man nicht weiss, wie man seine Familie ernähren soll und die Ehrfrau eventuell auch noch schwanger ist? Kann man sich vorstellen, dass man ein gesundes Kind verstümmelt, damit sich ein Passant in der Haupteinkaufsstrasse erbarmt etwas mehr Geld zu spenden?

Was wir mit diesen Gedanken anfangen sollen?

Bewusster leben!

Wie oft beschweren wir uns über Kleinigkeiten. Über schlechtes Wetter oder darüber, dass gerade eine Kleinigkeit nicht so funktioniert wie es sollte? Warum sorgen wir uns derart in unserem Leben und geniessen nicht einfach den Moment?? Sind wir nicht immer gerade mit unseren Gedanken in der Zukunft oder in der Vergangenheit, doch was ist mit der Gegenwart? Wozu führen diese Reflexionen, die doch letztendlich nur Vermutungen oder Tatsachen sind, die wir nicht ändern können?! Ändern können wir nur etwas im Hier und Jetzt!
Ich denke, dass wir, die in der industrialisierten Welt leben, sehr viel Glück haben. Jeder Einzelne ist allerdings selbst dafür verantwortlich, was er aus dem macht, was man ihm geschenkt hat.
Ich frage mich, was uns diese Sucht nach dem Materiellem bringt?! Ändert es uns? Macht es uns glücklicher? Was ist denn das Ziel unseres Leben? Anhäufung von materiellen Reichtümern?
Der Konsumismus macht uns nicht zu besseren Menschen, stattdessen lässt er uns vergessen wer wir wirklich sind. Je mehr wir uns in den Luxus verkriechen, destoweniger sehen wir die Schönheit der Natur, denn sie birgt auch Unannehmlichkeit.
Ein Leben ohne Handy?- unvorstellbar! Kein Internetzugang?- Unmöglich. Doch kommunizieren wir dadurch wirklich mehr oder werden unsere Gespräche einfach nur oberflächlicher??


Was ist das Ziel eures Lebens?

Freitag, 12. Oktober 2007

Verkaufsmotivation und Universitätsmaterialien

Heute gleich noch einen Eintrag, ich bin gerade so sehr in Übung.... :-)

Wie werden in Argentinien die Universitätsmaterialen verteilt?
Hm, jetzt wird es interessant.
In Argentinien gibt es sogenannte Fotocopiadoras- Kopierläden. Wo in Deutschland die Unimaterialien online erhältlich sind (hier zum kleinen Teil auch), holt man sie sich hier in Argentinien in einem dieser Läden ab. Das kann kompliziert werden, denn schon alleine um die Uni herum gibt es 4 Stück davon, man sollte also genau Bescheid wissen wo man was erhält. Man betritt also den Laden, zieht eine Nummer, wartet bis man dran ist und bittet um die Unterlagen. Der Verkäufer sucht die jeweiligen Unterlagen (in aller Ruhe) heraus, kopiert sie und voila, du bezahlst.
In Deutschland ist bekanntlicherweise das kopieren von Büchern verboten. Hier werden sämtliche Bücher als Kopie besorgt. Eine Bestellung dauert ca 1 bis 2 Tage und kostet ca 6 € gebunden. :-) Für die Studis ist das super, für den Autor wahrscheinlich nicht unbedingt.
Eine Sache, die ich bisher noch nicht erwähnt hatte ist, dass viele Studenten, die aus dem Inneren des Landes kommen, aus einem betuchten Elternhaus stammen. So etwas wie Bafög gibt es hier ganz klar nicht. Ansonsten wohnen die Studenten bei ihren Eltern. Dennoch kann man davon ausgehen, dass mehrheitlich Studenten aus der Oberschicht oder eben besseren Mittelschicht studieren. Ein Vorteil ist allerdings, dass jegliche Bildungswege (abgesehen vom der Privaten) kostenfrei ist, auch sämliche Weiterbildungen, wie Masterkurse usw. Dadurch profitieren auch Leute unterschiedlichen Alters von den Lehrveranstaltungen. Denn ohne gute Ausbildung ist die Aussicht auf einen (guen ) Job sehr gering und selbst dann besteht eine grosse Wahrscheinlichtkeit, dass man nicht in diesem Gebiet arbeitet, so wie in Deutschland eben auch.

Noch ein paar Worte zur Verkaufsmotivation.
Eine kleine Szene. Ich trete interessiert in ein Musikgeschäft ein, gewillt mich über Jazz zu informieren. Völlig ahnungslos gehe ich auf den Verkäufer zu und frage ihn nach der Auswahl, die er zu diesem doch recht umfangreichen Thema da hat. Daraufhin fragt er mich, was ich denn genau suche und ich erkläre ihm, dass mich etwas ruhigeres, gelassenes interessiert. Daraufhin fragt er wieder, was ich denn GENAU suche- und ich erwidere, dass ich mir doch noch nicht sicher bin. Seine Reaktion daraufhin ist, dass er sich seinem Computerbildschirm zuwendet und eine Geburtstagskarte zu designen beginnt. Ich bleibe also still neben ihm stehen-aus reiner Provokation- in der Hoffnung, der gute Mann reagiert. Das tat er auch, und weiterhin den Bildschrim anschauend fragt er mich, mir den Rücken zugewendet, ob ich denn nun wisse, was ich wolle. Na ganz offensichtlich nicht, denke ich mir und drücke mich auf latino-diplomatenweise so aus, dass ich eventuell eine Beratung bräuchte. Seine Antwort: er besorgt mir bis zur folgenden Woche etwas, wo er sich sicher ist, dass es mir gefäll, ich solle einfach wieder vorbeischauen. Damit war meine Hoffnung gestorben und ich ging aus dem Laden.

Nicht, dass ihr denkt, dass das eine Ausnahme war, nein. Geh ich doch letztens in einen Buchladen- spezialisiert für Wirtschaft und bitte um eine Buch über Preisstrategie. Für diejenigen, die mit Marketing überhaupt nichts am Hut haben: Es gibt 6 Hauptstränge die es möglich machen, den Konsumenten zum Kauf zu überzeugen. Preis ist eines davon.
Ich gehe also in diesen Laden, da schaut mich der Verkäufer schon völlig freudlos an. Ich äußere also meinen Wunsch und spezialisiere: "Ich hätte das Ganze gern international ausgerichtet". Zu "Preis" hat er momentan prinzipiell gar nichts da, meinte er dann. Aha, denke ich mir. Um allerdings auf Nummer sicher zu gehen, checkt er noch mal in seinem Computer und nickt mir mit Zufriedenheit zu, ja, er hatte Recht, er hat momentan kein einziges Buch zu diesem Thema in einem Regal stehen. Super denke ich mir und gehe aus dem Laden.

Den Vorteil den ich darin sehe, ausser der Tatsache, dass ich unglaublich meine Geduld schule, ist, dass ich hier ein grosses Potential sehe, um Arbeit zu finden... Die Frage ist nur, ob ICH im Marketing-Bereich arbeiten möchte. Wo mir doch Shopping sowieso gar kein Spass macht und ich der erste Kunde bin, der aus einem Laden herauseilt, wenn er nicht sofort volle Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Naja, ich hab ja noch Zeit mich mit dieser Thematik auseinander zu setzten, bisher kann ich diese Frage mit einem klaren "nein" beantworten. Obwohl shopping hier echt attraktiv ist und billig und ich dringend neue Sachen/ Schuhe brauche, überkam mich noch nicht der Kaufrausch. Vielleicht kommt das noch... Eli, Lara, Vroni, Maria.... wollt ihr mich nicht mal besuchen kommen???!!!


So ihr Lieben, gleich 2 Tage aufeinander folgend, jetzt geb ich euch erst mal ein wenig Zeit um die vielen Infos zu verarbeiten. Wahrscheinlich schreibe ich euch dann auch erst wieder von meinen Urlaubserfahrungen.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße aus dem immer noch verregneten La Plata

Maria

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Wahlen und Korruption in Argentinien

Hallo ihr interessierten Leser,

da bin ich wieder. Seit meinem letzten Blogeintrag ist viel passiert...

Mir geht es sehr gut, obwohl es in La Plata nicht mehr zu regnen aufzuhoeren scheint, aber irgendwie ist das auf seine Art schoen. Ich bleibe einfach weiterhin in der Hoffnung, dass es bald warm wird und die Sonne sich zeigt.

In Argentinien sind gerade grosse Wahlcampagnen angesagt. Im Oktober ist es naemlich soweit, dass Nestor Kirchner, der jetzige Praesident sein Amt niederlegen wird und jmd anderes das Land weiterregieren wird. So wie es bisher aussieht, wird das seine Frau die Regierung uebernehmen. Die Mehrheit der Bevoelkerung geht davon aus, dass sie letztendlich auch gewaehlt wird.
Die Camagne sieht so aus, dass ueber den Tag Minilaster durch die Stadt fahren, die Wahlsolgans durch die Lautsprecher herausposaunen und die jeweiligen Kandidaten auf grossen Plakaten auf den Lastern abgebildet sind. Es gibt auch mehrere Politikerbueros. Wofuer die nun da sind, weiss kein Mensch, denn bisher hab ich noch niemanden getroffen, der auch nur das geringste Vertrauen in die Machenschaften der Politiker zeigt.
Das Problem, welches hier besteht, ist, dass in Argeninien Waehlen eine Pflicht darstellt. Das heisst, das wenn man in das Wahlbuero geht, man einen Stempel in den Pass bekommt. Falls man sich 500 km von Wahlort entfernt aufhaelt, kann man den Antrag stellen, auf Grund der Distanz von seiner Bürgerpflicht entbunden zu werden. Allerdings hab ich mittlerweile mit einigen Leuten geredet, die mir sagten, dass sie schon mehrmals nicht waehlen gegangen sind und es hat keine Konsequenzen nach sich gezogen ...

Doch die eigentliche Schwierigkeit besteht in der Korruption. Es wird erzaehlt, dass sich die Politiker die Wahlstimmen erkaufen und das ist relativ einfach, denn die Armut in diesem Land ist immens. Bis in die Innenstadt von Buenos Aires erstrecken sich die Armenviertel. Teilweise erinnern mich die Zustaende an Indien und an die Tatsache, dass ich mich in einem Entwicklungs-/ Schwellenland befinde. Was passiert also? Die Politiker erkaufen sich die Stimmen indem sie diese Viertel mit Essen oder anderen dringend noetigen Guetern versorgen.
Die Argeninier haben also saemtliches Vertrauen in die Politik verloren. Hier in La Plata gilt ein neuer Slogan "La Plata, una ciudad limpia" (La Plata, eine saubere Stadt) und direkt davor befindet sich ein Haufen Muell... In Deutschland kennen wir das doch auch- jede Partei will alles besser machen, bringt aber keinerlei Vorschlaege, wie es besser gemacht werden kann, begnuegt nich mit der Aeusserung von Kritik... Interessenant ist auch, dass Frau Cristina Kirchner nicht im Inland sondern im Ausland betreibt. So war erst letztens auf Reise nach Europa... und verschwendete, nach Ansicht einer Argentinier, die Steuergelder (Wozu jetzt noch überhaupt gar nicht berechtigt ist, denn sie begleidet ja noch gar kein Amt...)

Die Korruption erstreckt sich in alle Himmelsrichtungen. In einer Diskussion hatten wir darueber filosofiert, wie man die Armut senken koennte und dabei erwaehnte ich das Sozialprogramm, welches gerade in Ostdeutschland umgesetzt wird. Naemlich, dass die Kommunen ihr Geld in "ABM"-Massnahmen einsetzen, sodass Langzeitarbeitslose zumindest eine Beschaeftigung haben ( für die Kommune selbst oder sonstige soziale Einrichtungen). Genau dieses System gibt es hier auch, nur geniessen leider hauptsächlich Freunde von Politikern das Privileg in das Programm involviert zu werden, die letztendlich aber keine Notwendigkeit darin sehen, zu arbeiten, sondern sie profitieren lediglich von der finanziellen Unterstuetzung. Wie soll man diesen Teufelskreis unterbrechen????

Ihr koennt euch sicher vorstellen, dass sich diese Problematik in der Bildung fortsetzt. Es gibt einmal ein privates und ein oeffentliches Schulsystem. Abgesehen von den Ausnahmen, sagt man, dass es zu einen immense Unterschiede zwischen privater Sekundarschule und oeffentlicher und zum anderen zwischen privater und öffentlicher Universitätsausbildung gibt. In der privaten Sektundarschule werden u.a. zusaetzliche Faecher wie Englisch und Musik (Instrumente) angeboten, die Lehrer sind mehr oder weniger gut ausgebildet und Unterrichtsausfälle sich eine Seltenh. Die oeffentliche Schule leidet unter einem weiterverbreitet schlechten Ruf. So sagt man, dass der Unterricht schon nicht stattfindet, wenn die Klassenraeume kalt sind oder sonstige Zwischenfaelle auftreten.
Beim Universitaetssystem ist das anders herum. Die oeffentliche Uni ist sehr anspruchsvoll (eigene Erfahrung), die Professoren geben die Vorlesungen aus eigener Motivation heraus, die Entlohnung ist zu gering um davon leben zu können, also besitzen sie viel Praxiserfahrung, die sie in die, primär durch Theorie geprägten, Vorlesungen mit einfliessen lassen. Diese Kombination verschafft den öffentlichen Einrichtungen einen sehr guten Ruf (besonders die Fakultaet fuer Wirtschaft in La Plata). Im privaten Sektor werden sich Abschluesse haeufig erkauft und somit ist ein solcher Abschluss sehr wenig anerkannt.
Voila Argentina. Es gibt hier wirklich sehr viel nach zu holen, dennoch moechte ich erneut betonen, dass ein Land nicht nur durch nicht funktionierende Systeme einzuschaetzen ist, sondern es sind Menschen, die in diesem Land leben, die die Unterschiede ausmachen.

Wenn ich in einen kleinen Laden gehe, dann werde ich eigentlich zu 99 Prozent gefragt, woher ich komme und wenn ich dann erzaehle, dass ich aus Deutschland komme, dann runzeln viele die Stirn und fragen mich, warum ich denn ausgerechnet in diesem Land Wirtschaft studiere. Eigentlich finde ich es sehr schade, dass die Argentinier ihr eigenes Land nicht zu schaetzen wissen. Hoffentlich wird es ihnen eines Tages klar....

So ihr Lieben, ich werd jetzt mal etwas essen gehen. :-)

Naechste Woche Donnerstag uebrigens geht es fuer mich ab in den Sueden!!!! Ich werde fuer 2 Wochen Patagonien erkundschaften. Zusammen mit meinem Freund werden wir uns die Gletscher in El Calafate und El Chalten anschauen und dann werde ich alleine fuer 3 Tage nach Ushuaia, der suedlichsten Stadt Argentiniens, weiterreisen. Ich kann es schon kaum noch erwarten. Fuer mich ist es das erste Mal, dass ich an einen Ort reise, an dem es kalt ist. Zur Zeit herrschen dort Tagestemperaturen von 5 -7 Grad vor. Aber keine Sorge, ich bin dabei mir warme Sachen zu besorgen :-) Wir werden dort viele Wanderungen unternehmen und den Nationalpark bewundern, vielleicht hab ich ja gar nicht soviel Zeit zum Friern. ;-)

Sorry uebrigens, dass ich immer so wenig Bilder hochlade, aber meine Kamera ist leider defekt, aber in den naechsten Tagen duerfte sie aus der Reparatur zurueckkommen und das hoffentlich funktionierend, dann werdet ihr auch mehr visuelle Unterstuetzung in meinem Blog bekommen, versprochen.

Ich wuensch euch alles Gute.

Bis bald
Knutschi
Maria