Heute gleich noch einen Eintrag, ich bin gerade so sehr in Übung.... :-)
Wie werden in Argentinien die Universitätsmaterialen verteilt?
Hm, jetzt wird es interessant.
In Argentinien gibt es sogenannte Fotocopiadoras- Kopierläden. Wo in Deutschland die Unimaterialien online erhältlich sind (hier zum kleinen Teil auch), holt man sie sich hier in Argentinien in einem dieser Läden ab. Das kann kompliziert werden, denn schon alleine um die Uni herum gibt es 4 Stück davon, man sollte also genau Bescheid wissen wo man was erhält. Man betritt also den Laden, zieht eine Nummer, wartet bis man dran ist und bittet um die Unterlagen. Der Verkäufer sucht die jeweiligen Unterlagen (in aller Ruhe) heraus, kopiert sie und voila, du bezahlst.
In Deutschland ist bekanntlicherweise das kopieren von Büchern verboten. Hier werden sämtliche Bücher als Kopie besorgt. Eine Bestellung dauert ca 1 bis 2 Tage und kostet ca 6 € gebunden. :-) Für die Studis ist das super, für den Autor wahrscheinlich nicht unbedingt.
Eine Sache, die ich bisher noch nicht erwähnt hatte ist, dass viele Studenten, die aus dem Inneren des Landes kommen, aus einem betuchten Elternhaus stammen. So etwas wie Bafög gibt es hier ganz klar nicht. Ansonsten wohnen die Studenten bei ihren Eltern. Dennoch kann man davon ausgehen, dass mehrheitlich Studenten aus der Oberschicht oder eben besseren Mittelschicht studieren. Ein Vorteil ist allerdings, dass jegliche Bildungswege (abgesehen vom der Privaten) kostenfrei ist, auch sämliche Weiterbildungen, wie Masterkurse usw. Dadurch profitieren auch Leute unterschiedlichen Alters von den Lehrveranstaltungen. Denn ohne gute Ausbildung ist die Aussicht auf einen (guen ) Job sehr gering und selbst dann besteht eine grosse Wahrscheinlichtkeit, dass man nicht in diesem Gebiet arbeitet, so wie in Deutschland eben auch.
Noch ein paar Worte zur Verkaufsmotivation.
Eine kleine Szene. Ich trete interessiert in ein Musikgeschäft ein, gewillt mich über Jazz zu informieren. Völlig ahnungslos gehe ich auf den Verkäufer zu und frage ihn nach der Auswahl, die er zu diesem doch recht umfangreichen Thema da hat. Daraufhin fragt er mich, was ich denn genau suche und ich erkläre ihm, dass mich etwas ruhigeres, gelassenes interessiert. Daraufhin fragt er wieder, was ich denn GENAU suche- und ich erwidere, dass ich mir doch noch nicht sicher bin. Seine Reaktion daraufhin ist, dass er sich seinem Computerbildschirm zuwendet und eine Geburtstagskarte zu designen beginnt. Ich bleibe also still neben ihm stehen-aus reiner Provokation- in der Hoffnung, der gute Mann reagiert. Das tat er auch, und weiterhin den Bildschrim anschauend fragt er mich, mir den Rücken zugewendet, ob ich denn nun wisse, was ich wolle. Na ganz offensichtlich nicht, denke ich mir und drücke mich auf latino-diplomatenweise so aus, dass ich eventuell eine Beratung bräuchte. Seine Antwort: er besorgt mir bis zur folgenden Woche etwas, wo er sich sicher ist, dass es mir gefäll, ich solle einfach wieder vorbeischauen. Damit war meine Hoffnung gestorben und ich ging aus dem Laden.
Nicht, dass ihr denkt, dass das eine Ausnahme war, nein. Geh ich doch letztens in einen Buchladen- spezialisiert für Wirtschaft und bitte um eine Buch über Preisstrategie. Für diejenigen, die mit Marketing überhaupt nichts am Hut haben: Es gibt 6 Hauptstränge die es möglich machen, den Konsumenten zum Kauf zu überzeugen. Preis ist eines davon.
Ich gehe also in diesen Laden, da schaut mich der Verkäufer schon völlig freudlos an. Ich äußere also meinen Wunsch und spezialisiere: "Ich hätte das Ganze gern international ausgerichtet". Zu "Preis" hat er momentan prinzipiell gar nichts da, meinte er dann. Aha, denke ich mir. Um allerdings auf Nummer sicher zu gehen, checkt er noch mal in seinem Computer und nickt mir mit Zufriedenheit zu, ja, er hatte Recht, er hat momentan kein einziges Buch zu diesem Thema in einem Regal stehen. Super denke ich mir und gehe aus dem Laden.
Den Vorteil den ich darin sehe, ausser der Tatsache, dass ich unglaublich meine Geduld schule, ist, dass ich hier ein grosses Potential sehe, um Arbeit zu finden... Die Frage ist nur, ob ICH im Marketing-Bereich arbeiten möchte. Wo mir doch Shopping sowieso gar kein Spass macht und ich der erste Kunde bin, der aus einem Laden herauseilt, wenn er nicht sofort volle Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Naja, ich hab ja noch Zeit mich mit dieser Thematik auseinander zu setzten, bisher kann ich diese Frage mit einem klaren "nein" beantworten. Obwohl shopping hier echt attraktiv ist und billig und ich dringend neue Sachen/ Schuhe brauche, überkam mich noch nicht der Kaufrausch. Vielleicht kommt das noch... Eli, Lara, Vroni, Maria.... wollt ihr mich nicht mal besuchen kommen???!!!
So ihr Lieben, gleich 2 Tage aufeinander folgend, jetzt geb ich euch erst mal ein wenig Zeit um die vielen Infos zu verarbeiten. Wahrscheinlich schreibe ich euch dann auch erst wieder von meinen Urlaubserfahrungen.
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße aus dem immer noch verregneten La Plata
Maria
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