Dienstag, 21. August 2007

Schon 3 Wochen hier


So,

da bin ich wieder.

Hier in La Plata scheint das Wetter langsam besser zu werden, auch wenn es immer noch super kalt ist und naja, zumindest scheint gerade die Sonne, gestern auch schon, deswegen bin ich recht zuversichtlich.
Wenn ich allerdings daran denke, wie nett und offen die Leute hier sind, wird mir wieder ganz warm ums Herz und das Wetter hoert auf eine Rolle zu spielen. Bevor ich hier hergekommen bin, habe ich viele Unterhaltungen mit Backpackern gefuehrt, die sich eine Zeit lang in Lateinamerika aufgehalten haben. Sie meinten, dass die Menschen hier recht oberflaechlich sind. Dem kann ich aus meiner jetzigen Perspektive nur zu einem kleinen Teil zustimmen. Es scheint mir ganz natuerlich, dass man Menschen, die man gerade kennengelernt hat, nicht sofort das Herz ausschuettet. Wie ist es denn in Deutschland? Wie empfangen wir denn Auslaender? Um ein Beispiel zu geben: Ich habe gestern Freunden von Freunden, also mir unbekannten Leuten erzaehlt, dass ich auf der Suche nach einer Wohnung bin. Darauf hin brach eine Debatte ueber mindestens eine halbe Stunde los, wo ich denn nun bleiben koennte... Letztendlich hat sie so geendet, dass das Ehepaar Freunde von sich anschreiben wird, um zu fragen, ob die ein Zimmer fuer mich frei haetten und dann meinten sie (mehrmals wiederholend), dass wenn Moebel fehlten, sie genuegend herumstehen haetten und sie mir diese bringen wuerden. Mal ganz davon abgesehen, ob diese Situation eintrifft oder nicht, ist es dennoch eine nette Geste.
Insgesamt bin ich hier sehr freundlichh aufgenommen wurden. Es ist voellig unkompliziert neue Leute kennenzulernen. Es gefaellt mir einfach super.
Mittlerweile habe ich schon ein kleines Ritual: einmal taeglich setze ich mich in ein Café und trinke gemuetlich einen Submarino (heisse Milch mit einem grossen Stueck Schoki) und geniesse die Tatsache hier sein zu duerfen. (Der Umrechnungskurs Argentinische Peso in Euro betraegt uebrigens ca. 4:1 (lt Boersenangaben 4,23:1 --> es wird empfohlen zu kaufen ;-) ; ach ja, die Einfluesse von Finance... ;-) )


¿Qué más? Ich habe das Wochenende ich mit Freunden Buenos Aires verbracht und mir wieder mal selbst bestaetigt, dass ich eher ein Kleinstadtmensch bin.
Die Stadt selbst ist sehr interessant und hat kulturell sehr viel zu bieten. Ausserdem ist sie bekannt- nicht nur fuer ihre unzaehligen Demos, sondern auch fuer den Tango und Jazz (Ich liebe Jazz!!!)
Naja, bevor ich den Jazz genoss, wollten wir einkaufen gehen, haben uns also an einem Samstagnachmittag ins Zentrum getraut, Naja, diese Tatsache, dass eine der Freundinnen unglaublich viel redete (ich verstand groesstenteils die "rr"s, die bis heute unaussprechlich fuer mich sind) und die vielen Menschen in der Strasse, haben unseren Shoppingversuch auf eine sehr kurze Zeit reduziert und so haben wir uns gemuetlich in ein Café gesetzt und entspannt.
Am Abend waren wir zusammen essen und haben einer Lifeband zugehoert, die Jazz und Blues spielte. Was fuer ein Abend! Ich hab mir uebrigens Fleisch bestellt und ich kann bestaetigen, dass es echt lecker ist. Als ich nach dem Essen nachfragte, wie viel Gramm es waren, meinte der Kellner: 300g!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Und stellt euch vor, die Argentinier essen eigentlich nicht viel aneres als Fleisch mit Fleisch.... Die meisten meinten bisher, dass sie Gemuese nicht moegen und alles was frisch ist, ist momentan sowieso unglaublich teuer. (wegen der schlechten Wetterbedingungen!!!, die Leute meinen, dass die Inflation gefuehlt ungefaehr bei 10% liegt, die Zeitungen sind anderer Meinung, schreiben aber parallel, dass man nur durch Datenfaelschung eine gewisse Ruhe in die Stimmung der Bevoelkerung bekommt).

Interessieren euch eventuell die Vorurteile der Latinos gegenueber den Deutschen???
Also nach meinen Infos gibt es in Deutschland keine Bars und keine Diskotheken, denn die Leute arbeiten nur. Aus diesem Grund muss man auch schon um 19 Uhr essen, damit man frueh ins Bett gehen kann, um dann frisch und munter auf Arbeit zu gehen. Deutsche Frauen sind in der Regel haesslich (wenn auch die Englaenderinnen in Europa die haesslichsten sind). Sie werden beschrieben als Bleichgesicher mit starker Statur und blonden Haaren. Hollaender und Schweden wiederum sind exotischer und die schoeneren Menschen.
Ach so, die Deutschen sind sehr "liberal"- wenn ich jmd frage, was er ueber Deutsche weiss, dann sind die immer "liberal" und "frio" (kaltherzig- was auch lateinamerikaischer Sicht mit Sicherheit auch zutrifft). Die Deutschen brechen nie die Regeln und sind sehr stolz ueber deutsche Erzeugnisse. Naja, das ist doch mal was!!!

Was meine Wohnungssuche anbelangt, bin ich zwar fuendig geworden, aber sehr unzufrieden. Nicht nur, dass ich keine Heizung habe, sondern in der Kueche ist das Fenster kaputt gegangen und wurde- ganz klar- seit mehreren Tagen nicht repariert. Doch das macht alles nichts. Ich werde heute noch ein paar Wohnungsbesichtigungen machen, in der Hoffnung, dass ich was finde.
In der Uni komme ich eigentlich ganz gut mit und wenn ich Fragen habe, sind meine Kommillitonen eigentlich auch immer gleich zur Stelle und helfen mir. Das oberste Bild ist uebrigens in der Fakultaet fuer Geisteswissenschaften gemacht. Die Studenten malen ihre Banner selber und sind dabei kuensterlisch sehr kreativ.

Das Spanisch in Argentinien ist ein bisschen speziell: Man verwendet sehr oft den Ausdruck "Che", " Che, kannst du mir mal bitte blablabal reichen".... auch das ll und y "[ié] wird [sch] gesprochen, man sagt also nicht, "[Yo te llamé ayer] sondern Scho de schamé ascher. Mir gefaellt's!!!!! Das ganze mit einer leichten italienischen Intonation et voilá: Argentiñol!!!! ;-)

So, dann will ich euch mal nicht ueberfordern mir zu vielen Infos.

Ich hoffe es geht euch allen gut.

Bis bald

Liebe Gruesse
Maria


P.S.: Hat jemand Neuigkeiten von Elena, ich mach mir Sorgen wegen des Erdbebens!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Sonntag, 12. August 2007

Seit der letzten Woche hat sich einiges getan.

Herr Simonato, der Professor, der sich mit meinen Angelegenheiten beschaeftigt, ist aus dem Urlaub zurueck gekommen und hat sich unglaublich viel Zeit fuer mich genommen. Er hat mir einige Professoren vorgestellt- welche man mit einem Kuss auf die Wange begruesst. Das Verhaeltnis zu ihnen ist hier sehr viel weniger foermlich als in Deutschland.

Was die Vorlesungen anbelangt, habe ich sehr viel Interessantes gefunden. Marketing und alle Kurse am Instituto de Relaciones Internacionales sind bereits Masterkurse. Auf das letztere freue ich mich ganz besonders!!! Die Kurse dort werden:Latino America en las R. I.; Africa en las R. I.; Téoria de conflictos internacionales und La Política exterior de Iran, sein!!! Ansonsten habe ich vor zwei Kurse an der Fakultaet fuer Geisteswissenschaften ( Traducción Inglés und Literatura francesa) zu belegen.
Ich bin mir dessen bewusst, dass ich mir mal wieder zu viel zumute, denn immerhin ist das nicht meine Muttersprache, aber ich werde denke ich in der ersten Woche schon anfangen koennen zu selektieren, was mir letztendlich wirklich gefaellt und was nicht. Also die naechste Woche abwarten und Mate trinken.


Das Geruecht, dass hier alles etwas laenger dauert, kann ich fuer mich bestaetigen. Meine Treffen mit Simonato zum Beispiel haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen, weil er oefters auf unterschiedlichste Themen abgewichen ist, wie bspw. Wagner, die Geschichte Argentiniens... ;-) Auch wenn irgendwann der Geduldsfaden duenner wird, muss ich sagen, dass es mir hier unglaublich gut gefaellt. Das Verhaeltnis zu den Mitmenschen erscheint mir sehr viel enger. Allerdings muss gesagt sein, dass Europaer in diesem Land ein Ass im Aermel haben. Jeder ist interessiert an der europaeischen Kultur, besonders an der deutschen. Als Lateinamerikanerin hingegen stuenden meine Chancen wahrscheinlich schlechter integriert zu werden. Ein hier lebende peruanische Freundin, hat mich letztens eindeutig gebeten nicht ueber ihre Herkunft zu sprechen und erzaehlte mir, dass sie und ihre Familie schon sehr viele schlechte Erfahrungen gesammelt haben. Genauso wurde es mir schon von anderen berichtet.
Die Argentinier sind vom Typ her, den Spaniern und Italienern sehr aehnlich. Soweit mir berichtet wurde, leben die urspruenglich argentinischen Einwohner nur noch in kleinen Gruppen im Norden. :-( Sie haben stark unter der Kolonialisierung leiden muessen.


Fuer naechstes Wochenende habe ich mir vorgenommen mit einem Bekannten nach Buenos Aires zu fahren. Dort werde ich dann sicherlich auch eine Deutsche treffen, die ich am Flughafen kennengelernt habe und die auch fuer 6 Monate hier studieren wird.
Eigentlich wollte ich dieses Wochenende in Uruguay verbringen, doch irgendwie habe ich mich maechtig erkaeltet und hoffe instaendig darauf, dass es endlich warm wird. Mir wurde berichtet, dass in Armenvierteln schon ca. 10 Menschen an der Kaelte gestorben sind. Im Schnitt betraegt die Temperatur hier im Winter 10 bis 15 Grad, deswegen sind auch die Raeumlichkeiten auf die momentante Situation auch nicht eingestellt. Das Thermometer zeigt nachts durchschnittlich nur 3 Grad an. Fuer die kommende Woche wurde allerdings Sonnenschein prognostiziert, darauf hoffe ich jetzt einfach mal.


Soviel erst mal zu meinen Erlebnissen im schoenen aber kalten Argentinien. Ich wuensche euch allen noch schoene Ferien oder eine angenehme Arbeitswoche.

Liebe Gruesse

Maria

Freitag, 3. August 2007

Der erste Tag


Am ersten Tag bin ich mit Sebastian durch die Stadt gelaufen Er benötigte Unterlagen für einen seiner Gerichtsfälle (er ist Rechtsanwalt). Alle drei Anlaufstellen haben uns woanders hin verwiesen. Sebastian hat das ganz gelassen genommen. Innerlich musste ich lächeln. Ist es nicht genau das, was wir immer über die Latinos zu hören bekommen?

Vor zwei Tagen war ich mit der Mutter von Sebastian an meiner Uni (Universidad Nacional de La Plata). Dort angekommen haben wir einen Studenten angesprochen, ob er wisse, an wen ich mich wenden könne. Er hatte keine Ahnung, brachte uns aber zum „Solución de Problemas“ (Lösung von Problemen), die haben mich dann zum Sekretariat verwiesen. Juan, der Student kam auch mit. Im Sekretariat wussten sie auch nicht so recht, was zu tun ist, haben sich aber zusammen mit einer Professorin (die sich eigentlich mit der Materie nicht auskennt) hingesetzt und über mein Learning Agreement geredet. Wir sind zumindest soweit gekommen, dass ich zwei Seminare belegen kann. Das eigentliche Problem, nämlich die Wohnungsfindung, konnten wir nicht lösen. Also machen wir das Montag. Juan ist dann noch eine Weile mit uns mitgelaufen, auf der Suche nach einer Handykarte, die ich dann auch gekauft habe, dann hat er sich verabschiedet und ist in die andere Richtung gelaufen.

Die Leute hier sind bisher alle sehr zuvorkommend (zu mir). Man hat mir gesagt, dass man Europäer insgesamt sehr mag. Auch deswegen, weil wir nicht auf der Suche nach Arbeit sind. Die Latinos untereinander mögen sich deswegen zum Teil nicht, so die Aussage von Frau Rosas.

Hier gibt es viele Bolivianer, welche u.a. Gemüseläden betreiben. Man sieht sie aber auch häufig mit der Kutsche durch die Straße fahren, Kartons aufsammeln, damit verdienen sie ihr Geld. Ab und zu liefen uns Kinder über den Weg, die um Geld baten.

Es gibt viel Armut hier. In gewisser Weise erinnert mich vieles hier an die DDR. Vieles wirkt improvisiert und veraltet. Auch die Straßen hätten schon vor Jahren erneuert werden müssen, die Büros bedürften eines neuen Anstriches.

Wenn endlich mein Computer funktioniert, der nachdem mein Bruder ihn in die Hände bekommen hat, nicht mehr so funktioniert wie ich es gewöhnt bin, dann werde ich Fotos ins Internet stellen. Wahrscheinlich wird es dann auch einfacher vorzustellen, wovon ich zu berichten versuche.

Ich werde versuchen bald wieder in den Blog zu schreiben, um euch weiter über Argentinien zu berichten.

Bis bald und alles Gute

Maria

Und weiter geht's...



Nun bin ich also hier und wohne in der Calle 46, 13. La Plata ist in Schachbrettform angeordnet, so wie Nueva York, das macht es leichter sich zu orientieren.

Gestern war ich zum ersten Mal im Fitnessstudio zum Tanzen. Man hätte glauben können, dass der Kurs für Profis gewesen ist. Unglaublich welches Rhythmusgefühl die Latinos haben. Aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Hoffentlich halte ich das eine Weile aus. Wenn ja, werde ich zur professionellen Tänzerin in Deutschland. ;-)

Es geht mir sehr gut hier. Die Familie, das heißt Sebastian und seine Mutter sind sehr nett. Die Mutter meinte gestern, dass ich am liebsten die ganzen sechs Monate dort wohnen bleiben solle. Allerdings ist die Wohnung sehr klein und kalt. Draußen ist es regnerisch und das Thermometer zeigt 4 °C an. Darauf hatte ich mich seelisch und moralisch irgendwie nicht eingestellt, obwohl ich mehrmals den Wetterbericht konsultiert habe.

Übrigens machen beide gerade eine vom Arzt verordnete Diät, weil ihre Ernährung zu einseitig ist – zu viel Fleisch! Das Gerücht stimmt also, dass die Argentinier sich mit Gemüse nicht sonderlich gut auskennen. Die Mutter gibt das auch ehrlich zu. Für mich ist das super, denn ich kann ihnen zeigen, wie man auf unterschiedliche Weise Gemüse zubereiten kann und bisher sagen sie (auch ganz überzeugend), dass es ihnen schmeckt.

Argentinisches Rindfleisch habe ich dennoch schon zweimal genießen können. Für mich ist es gewöhnungsbedürftig, denn hier isst man nicht nur ein Steak, sondern gleich 2 bis 3 in einem Gericht!

Oftmals sitzen wir zusammen und trinken Mate. Das ist ein bitter schmeckender Tee- eine argentinische Spezialität. Man trinkt ihn meist in Gesellschaft. Dabei wird der Tee in das Mate- Gefäß fast vollständig aufgefüllt und Wasser aufgegossen. Jeder einzelne trinkt es aus, dann wird es aufgefüllt und weitergereicht.


Der Flug


Hallo ihr fleißigen Blog-Leser,

da bin ich wieder.

Seitdem ich angekommen bin wohne ich bei der argentinischen Familie, die mich auch am Flughafen abgeholt hat.

Mit dem Flug ist eigentlich alles ganz gut gelaufen.- Bis auf das Umbuchen meines Fluges, um in die USA zu gelangen. Meine Aufenthaltsdauer in Argentinien hätte 180 Tage überschritten und damit die Zeit für die ich ein Visum bekommen würde. Das Problem dabei ist, dass man nur einmal kostenfrei umbuchen kann. Letztendlich ist alles aber weniger schlimm gewesen als vermutet, denn die weiteren Umbuchungsgebühren sind wesentlich günstiger als von meinem Reisebüro angegeben und ich musste mein Gepäck in den USA nicht abholen, wie anfänglich vom Reisebüro angegeben. Also war ich wieder positiver Dinge. Das Personal von Delta Airlines war auch sehr hilfsbereit und was wäre eine Reise ohne Zwischenfälle?

Dennoch war mein Gefühl in die USA einzureisen nicht sonderlich gut. Es ist kein Geheimnis, dass die Staaten nicht mein erstes, zweites oder drittes Reiseziel. Letztendlich hat sich mein Misstrauen in gewisser Weise bestätigt. Angefangen bei der Befragung meines Einreisegrundes (3 Mal) bis hin zu zweimaliger Handgepäckkontrolle, davon einmal Schuhe ausziehen. Oh man, ich fühlte mich fast eines Verbrechens schuldig. Als ich meinen Pass vorzeigte, wurden Fingerabdrücke meiner beiden Zeigefinger genommen und mein Gesicht eingescannt.

Nach 7 Stunden Aufenthalt in Atlanta stand ich dann am Schalter zum Einchecken und wurde gefragt, ob ich nicht noch eine Nacht bleiben möchte, denn der Flug sei überbucht. – Das hätte mir noch gefehlt! Irgendwann dann saß ich glücklich und zufrieden im Flieger neben einem Porteño (einem Argentinier aus Bs. As.).